Businessplan Friseur: Vollständiger Leitfaden für deinen Friseursalon 2026
Du willst einen Friseursalon eröffnen — und weißt, dass du dafür einen Businessplan brauchst. Aber was gehört eigentlich rein? Wie detailliert muss er sein? Und was interessiert die Bank wirklich?
Dieser Leitfaden beantwortet genau das. Er führt dich Abschnitt für Abschnitt durch einen vollständigen Businessplan für deinen Friseursalon — mit deutschen Besonderheiten: Meisterbrief, IHK-Anmeldung, KfW-Förderung und Gründungszuschuss. Ob du zum Bankgespräch willst, Fördermittel beantragst oder einfach Klarheit über dein eigenes Konzept brauchst — am Ende dieses Leitfadens hast du eine Vorlage, die du direkt nutzen kannst.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst und zuerst wissen willst, welche Schritte zur Eröffnung gehören, lies unseren Begleitartikel Friseursalon eröffnen: Kompletter Leitfaden für Deutschland. Dieser Artikel hier baut darauf auf und konzentriert sich auf den Businessplan.
1. Warum du einen Businessplan brauchst
Ein Businessplan für deinen Friseursalon erfüllt drei Funktionen gleichzeitig — und das ist wichtig zu verstehen, bevor du anfängst zu schreiben.
Für Banken und Kreditgeber
Kein Bankberater leiht dir Geld auf Basis von Begeisterung. Er will wissen: Wie hoch sind die Gründungskosten? Ab wann ist der Betrieb profitabel? Wie viele Kunden pro Woche brauchst du, um die Miete zu decken? Ein vollständiger Businessplan beantwortet diese Fragen mit konkreten Zahlen. Ohne ihn gibt es in der Regel gar kein Gespräch.
Besonders relevant für Friseure in Deutschland: Wenn du den Meisterbrief hast, stärkt das deine Position beim Bankgespräch erheblich. Banken werten ihn als Qualifikationsnachweis und Zeichen für fachliche Seriosität. Erwähne das ausdrücklich im Executive Summary und im Abschnitt über dein Team.
Für Fördermittel und Zuschüsse
KfW-Darlehen, Gründungszuschuss der Arbeitsagentur, Meister-BAföG — alle diese Programme verlangen einen schriftlichen Businessplan. Ohne ihn gibt es keine Förderung. Der Businessplan ist also nicht nur nice-to-have, sondern direkte Voraussetzung für staatliche Unterstützung.
Für dich selbst
Das unterschätzen die meisten: Ein Businessplan zwingt dich, unangenehme Fragen zu stellen, bevor du Geld ausgibst. Was passierst du im ersten Monat nur 40 Prozent ausgelastet bist? Wie lange kannst du das durchhalten? Was ist dein Break-even, und wie weit bist du davon entfernt? Wer das auf Papier durchgerechnet hat, trifft bessere Entscheidungen — unabhängig davon, ob er den Plan jemals jemandem zeigt.
2. Executive Summary / Zusammenfassung
Die Executive Summary steht im Businessplan ganz vorne — aber du schreibst sie als letztes. Warum? Weil sie eine Zusammenfassung des gesamten Plans ist. Schreib erst alles andere, dann fasst du es auf ein bis zwei Seiten zusammen.
Was in die Executive Summary gehört
Dein Konzept in drei Sätzen
Was für ein Salon ist das? Welche Dienstleistungen bietest du an? Für wen? An welchem Standort? Drei klare Sätze reichen — keine Romane. Der Bankberater liest das als erstes und entscheidet in den ersten 30 Sekunden, ob er weiterliest.
Deine Qualifikationen
Hast du den Meisterbrief? Wie viele Jahre Berufserfahrung? Hattest du schon leitende Positionen in anderen Salons? Das gehört direkt in die Summary — nicht irgendwo hinten in den Anhang. Qualifikation ist in Deutschland ein zentrales Argument für Kreditgeber.
Finanzielle Eckdaten
Nenne die drei wichtigsten Zahlen: Gesamtinvestition, erwarteter Jahresumsatz im ersten Jahr, Finanzierungsbedarf (wie viel willst du leihen?). Selbst wenn diese Zahlen noch Schätzungen sind — ohne sie bleibt die Summary zu vage.
Rechtsform und Unternehmensstruktur
Einzelunternehmer, GmbH, UG? Führst du den Salon alleine? Hast du Gesellschafter? Kurze Aussage, keine Ausführungen — das kommt später.
Tipp: Schreib die Executive Summary so, dass jemand, der den Rest des Plans nie liest, trotzdem versteht, worum es geht — und warum es funktionieren wird.
3. Marktanalyse
Dieser Abschnitt zeigt, dass du deinen Markt verstehst — nicht nur, dass Friseure existieren, sondern wer deine direkte Konkurrenz ist, wer deine Zielgruppe ist, und welche Lücke du füllst.
Lokale Konkurrenzanalyse
Schau dir die Salons im Umkreis von einem Kilometer um deinen geplanten Standort an. Wie viele gibt es? Was bieten sie an? Zu welchen Preisen? Sind sie gut besucht oder leer? Google Maps ist ein guter Startpunkt — such nach „Friseur" plus deinen Stadtteil und schau dir Bewertungen, Fotos und Preislisten an.
Besuch die Salons, die du als direkte Konkurrenz siehst. Mach gegebenenfalls einen Termin. Achte auf Qualität, Erfahrung, Technologie, Wartezeiten, Kundschaft. Das ist keine Spionage — das ist normale Marktforschung.
Standortanalyse
Bei einem Friseursalon ist der Standort oft entscheidender als das Konzept. Fragen, die du beantworten solltest:
- Wie hoch ist die Passantenfrequenz an diesem Standort?
- Gibt es ausreichend Parkplätze oder ÖPNV-Anbindung?
- Welche Zielgruppe wohnt oder arbeitet in der Nähe?
- Sind Ankermieter (Supermarkt, Apotheke, Bäckerei) in der Nähe, die für Laufkundschaft sorgen?
- Wie hat sich die Gegend in den letzten Jahren entwickelt?
Deine Zielgruppe
Beschreibe deinen typischen Kunden konkret: Altersgruppe, Einkommensniveau, wie oft er zum Friseur geht, was ihm wichtig ist (Preis, Bequemlichkeit, Qualität, Erlebnis), und wie er aktuell Termine bucht. Diese Beschreibung sollte alle anderen Abschnitte deines Plans beeinflussen — von der Preisgestaltung bis zur Wahl des Buchungssystems.
Deine Positionierung
Wo stehst du im Markt? Günstig und effizient (Laufkundschaft, kurze Schnitte), mittelpreisig und serviceorientiert, oder Premium mit Spezialleistungen wie Balayage, Extensions oder Keratin-Behandlungen? Positionierung ist keine Marketingfloskel — sie bestimmt deine Preise, deinen Standort und deine Mitarbeiteranforderungen.
4. Dienstleistungen & Preisgestaltung
Dein Leistungsangebot und deine Preise sind keine rein operativen Entscheidungen — sie bestimmen deine Marktposition und direkt, ob deine Umsatzprognosen realistisch sind.
Dein Leistungsmenü
Liste die Dienstleistungen auf, die du ab Eröffnung anbietest. Fang nicht mit allem an — ein fokussiertes Angebot ist leichter zu skalieren und einfacher zu kommunizieren. Mögliche Startdienstleistungen für einen Friseursalon:
- Herrenhaarschnitt, Damenhaarschnitt, Kinderhaarschnitt
- Colorationen (Vollcoloration, Strähnen, Balayage)
- Tönung und Glossing
- Pflegebehandlungen (Intensive Care, Keratin)
- Waschen, Schneiden, Föhnen
- Hochsteckfrisuren und Brautfrisuren
Preiskalkulation
Viele Gründer machen den Fehler, Preise aus dem Bauch heraus zu setzen — zu niedrig, weil sie Kunden anlocken wollen, oder zu hoch, weil sie sich an Premiumsalons orientieren. Die richtige Herangehensweise ist anders:
- Berechne deinen Mindestpreis: Was musst du pro Stunde verdienen, um alle Kosten zu decken und ein Gehalt zu ziehen? (Formel: Monatliche Gesamtkosten ÷ verfügbare Stunden pro Monat)
- Prüfe den Marktpreis: Was verlangen vergleichbare Salons in deiner Gegend? Liege nicht mehr als 20–30% darunter oder darüber, ohne einen klaren Differenzierungsgrund.
- Kalkuliere Pakete: Kombinationsangebote (z.B. Schneiden + Föhnen) erhöhen den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde.
| Dienstleistung | Typische Preisspanne (DE) | Dauer |
|---|---|---|
| Herrenhaarschnitt | 25–45 Euro | 30–45 Min. |
| Damenhaarschnitt | 35–65 Euro | 45–60 Min. |
| Vollcoloration | 60–120 Euro | 90–120 Min. |
| Balayage / Highlights | 80–180 Euro | 120–180 Min. |
| Waschen + Schneiden + Föhnen | 45–80 Euro | 60–75 Min. |
| Keratin-Behandlung | 120–280 Euro | 150–210 Min. |
Hinweis: Diese Preise sind Richtwerte für mittelgroße deutsche Städte (2026). In Großstädten wie München, Frankfurt oder Hamburg liegen die Preise tendenziell 20–40% höher.
5. Marketing & Kundengewinnung
Ein häufiger Fehler im Businessplan: Marketing bekommt zwei Sätze, obwohl es in den ersten sechs Monaten über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Schreib hier konkret — nicht „Social Media und Mundpropaganda".
Online-Präsenz als Grundlage
In 2026 suchen die meisten Kunden ihren Friseur online. Das bedeutet: Wer bei Google nicht gefunden wird, existiert für viele potenzielle Kunden nicht. Die Basis:
- Google Business Profile: Kostenlos, unverzichtbar. Adresse, Öffnungszeiten, Fotos, Bewertungen — alles muss vollständig und aktuell sein.
- Website mit Online-Buchung: Nicht irgendwann — ab Tag eins. Kunden wollen Termine buchen, wann sie wollen — nicht innerhalb deiner Öffnungszeiten anrufen. Systeme wie DoTheBeauty ermöglichen 24/7-Buchungen ohne Telefonat und ohne Kommission auf jede Buchung.
- Instagram: Bei einem visuellen Gewerbe wie Frisieren ist Instagram fast unverzichtbar. Zeig Vorher-Nachher-Fotos, Behind-the-Scenes, Team-Posts. Konsistenz schlägt Perfektion.
Lokales Marketing
Digitales Marketing allein reicht in der Anfangsphase nicht. Ergänze es durch:
- Flyer und Eröffnungsangebote in der näheren Umgebung
- Kooperationen mit lokalen Unternehmen (Brautmodengeschäfte, Hochzeitsplanern, Fitnessstudios)
- Weiterempfehlungsprogramm für Bestandskunden (z.B. Rabatt für mitgebrachte Neukunden)
- Lokale Facebook-Gruppen und Stadtteilforen
Kundengewinnung vs. Kundenbindung
Neue Kunden zu gewinnen kostet fünfmal mehr, als bestehende zu halten. Plane daher von Anfang an Maßnahmen zur Kundenbindung ein: Erinnerungen an den nächsten Termin, Geburtstags-Glückwünsche, Treuekarten. Online-Buchungssysteme können das automatisch — ein Punkt, der im Betriebsplan und im Marketing-Kapitel erwähnenswert ist.
6. Betriebsplan
Der Betriebsplan erklärt, wie der Salon im Alltag funktioniert. Banken und Förderstellen wollen sehen, dass du operativ durchgedacht hast, nicht nur die großen Zahlen.
Personal
Startest du alleine oder mit Mitarbeitern? Falls du Mitarbeiter einstellst:
- Wie viele Friseure, in welchen Beschäftigungsmodellen (Vollzeit, Teilzeit, Minijob)?
- Hast du als Inhaber den Meistertitel, oder stellst du einen Meister als Betriebsleiter ein?
- Was sind die geplanten Bruttogehälter? (Mindestlohn im Friseurhandwerk beachten)
- Wie planst du Urlaubs- und Krankheitsvertretungen?
Öffnungszeiten
Typische Öffnungszeiten eines Friseursalons in Deutschland: Dienstag bis Freitag 9–19 Uhr, Samstag 8–15 Uhr. Montag ist im Friseurhandwerk traditionell Ruhetag — aber keine gesetzliche Pflicht. Überlege, ob abweichende Zeiten in deiner Zielgruppe einen Vorteil bringen (z.B. Abendtermine für Berufstätige).
Software und Tools
Welche Software setzt du ein? Das ist kein Nebenpunkt — es bestimmt, wie effizient du arbeitest, wie Kunden Termine buchen, und wie du Einnahmen und Ausgaben trackst. Nenne konkret:
- Buchungs- und Terminverwaltungssystem
- Kassensystem (TSE-konform — seit 2023 Pflicht in Deutschland)
- Buchhaltungssoftware
Ein integriertes System für Buchung, Kundenverwaltung und Kassenabwicklung spart Zeit und reduziert Fehlerquellen. Erwähne im Businessplan, welche Lösung du wählst und warum.
IHK und Handwerksrolle
Als selbstständiger Friseur in Deutschland musst du dich in die Handwerksrolle bei der zuständigen Handwerkskammer eintragen lassen. Diese Pflichtmitgliedschaft entsteht mit der Betriebsanmeldung. Zusätzlich meldest du dein Gewerbe beim Gewerbeamt an. Eine IHK-Anmeldung ist für Handwerksbetriebe typischerweise nicht erforderlich — du bist Pflichtmitglied der Handwerkskammer, nicht der IHK. Kläre das mit deiner zuständigen Handwerkskammer, da regionale Unterschiede existieren.
7. Finanzplan
Das ist der schwierigste und wichtigste Teil des Businessplans. Viele Gründer schieben ihn auf oder schätzen zu optimistisch — beides ist ein Fehler. Banken lesen den Finanzplan am genauesten.
Gründungskosten (einmalig)
| Kostenposten | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Gewerbeanmeldung | 15–65 Euro |
| Eintragung Handwerksrolle | 100–300 Euro |
| Ladenumbau / Renovierung | 5.000–30.000 Euro |
| Friseurstühle (2–5 Stück) | 2.000–15.000 Euro |
| Waschbecken und Zubehör | 1.500–5.000 Euro |
| Spiegel, Regale, Einrichtung | 1.000–5.000 Euro |
| Werkzeug und Geräte (Föhner, Scheren, etc.) | 1.000–4.000 Euro |
| Kassenanlage (TSE-konform) | 300–800 Euro |
| Website und Buchungssystem | 0–2.000 Euro (Einrichtung) |
| Erstbevorratung Produkte | 500–2.000 Euro |
| Marketing zur Eröffnung | 500–2.500 Euro |
| Liquiditätspuffer (3 Monate Kosten) | 8.000–20.000 Euro |
| Gesamtbedarf (Mietlokal) | ca. 20.000 – 80.000 Euro |
Monatliche Betriebskosten
| Kostenposten | Schätzung pro Monat |
|---|---|
| Miete (je nach Lage und Größe) | 800–3.000 Euro |
| Nebenkosten (Strom, Wasser, Heizung) | 150–400 Euro |
| Personalkosten (Brutto inkl. AG-Anteile) | 0–6.000 Euro |
| Produkte und Verbrauchsmaterial | 200–600 Euro |
| Versicherungen | 100–300 Euro |
| Buchhaltung / Steuerberater | 100–250 Euro |
| Marketing (laufend) | 100–500 Euro |
| Software und Buchungssystem | 20–100 Euro |
| Kredittilgung und Zinsen | je nach Kredit |
Umsatzprognose
Der häufigste Fehler: Gründer rechnen mit 100% Auslastung ab Monat eins. Das ist unrealistisch. Eine vorsichtige Annahme für den Anfang:
- Monate 1–3: 30–40% Auslastung
- Monate 4–6: 50–60% Auslastung
- Monate 7–12: 60–75% Auslastung
Berechne den Umsatz so: Wie viele Stühle hast du? Wie viele Stunden kann ein Stuhl pro Tag genutzt werden? Was ist der durchschnittliche Umsatz pro Stuhlstunde? Multipliziere das mit den Werktagen pro Monat und deiner geplanten Auslastungsquote.
Break-even-Analyse
Ab wie vielen Kunden pro Monat deckst du alle Kosten? Das ist die wichtigste Kennzahl in deinem Finanzplan. Berechne sie so:
- Monatliche Fixkosten ÷ Durchschnittlicher Umsatz pro Kunde = Break-even-Kundenzahl
Wenn deine monatlichen Fixkosten bei 4.000 Euro liegen und der durchschnittliche Kunde 50 Euro ausgibt, brauchst du 80 Kunden pro Monat, um die Kosten zu decken — also etwa 4 Kunden pro Werktag. Ist das realistisch? Ab wann kannst du das erreichen? Diese Berechnung muss im Businessplan stehen.
8. Finanzierung
Für die meisten Friseur-Gründer ist die Frage nicht, ob sie eine Finanzierung brauchen, sondern welche. Hier sind die wichtigsten Optionen für Deutschland 2026.
KfW-Gründerkredit (ERP-Gründerkredit StartGeld)
Das ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW ist das bekannteste Förderdarlehen für Existenzgründer in Deutschland. Es richtet sich an kleine Unternehmen und Freiberufler, die seit weniger als fünf Jahren am Markt sind.
- Kreditbetrag: bis zu 125.000 Euro
- Laufzeit: bis zu 10 Jahre
- Tilgungsfreie Anlaufzeit: bis zu 2 Jahre
- Verwendung: Investitionen und Betriebsmittel
- Antragstellung: über deine Hausbank — nicht direkt bei der KfW
Bring deinen Businessplan zur Bank — ohne ihn wird kein Antrag bearbeitet. Der Meisterbrief stärkt die Antragstellung deutlich, weil er die fachliche Qualifikation nachweist.
Gründungszuschuss der Arbeitsagentur
Wenn du dich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machst, kann dir die Bundesagentur für Arbeit einen Gründungszuschuss gewähren. Er besteht aus zwei Phasen:
- Phase 1 (6 Monate): Dein bisheriges Arbeitslosengeld plus 300 Euro pro Monat
- Phase 2 (optional, weitere 9 Monate): 300 Euro pro Monat zur Sozialabsicherung
Voraussetzung: Du hast noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld I und kannst einen tragfähigen Businessplan vorlegen. Die Arbeitsagentur lässt den Plan in der Regel von einer sachkundigen Stelle prüfen (IHK, Handwerkskammer oder anerkannter Gründerberater). Beantrage den Zuschuss rechtzeitig — er muss vor der Gründung beantragt werden.
Meister-BAföG (AFBG)
Das Aufstiegs-BAföG (AFBG), im Volksmund Meister-BAföG genannt, unterstützt nicht nur die Vorbereitung auf den Meistertitel, sondern auch die anschließende Betriebsgründung. Als Friseursaloninhaber mit Meisterbrief kannst du:
- Einen einmaligen Zuschuss für Existenzgründungskosten erhalten (bis zu 4.000 Euro als Darlehen zu 50% erlassbar)
- Bei der Gründung eines Unternehmens kann ein Teil des Meister-BAföG-Darlehens erlassen werden
Informiere dich bei deiner zuständigen Handwerkskammer oder dem Amt für Ausbildungsförderung (Verwaltungsstellen je nach Bundesland unterschiedlich).
Eigenkapital und weitere Quellen
- Eigenkapital: Mindestens 10–20% Eigenmittel an der Gesamtinvestition sind bei den meisten Kreditanfragen Voraussetzung. Je mehr Eigenkapital, desto besser die Konditionen.
- Familie und Freunde: Private Darlehen als Ergänzung möglich — schriftlichen Darlehensvertrag aufsetzen, steuerliche Aspekte beachten.
- Mikrokreditfonds Deutschland: Darlehen bis 25.000 Euro für Gründer mit eingeschränkter Bonität oder geringem Eigenkapital.
- Landesförderprogramme: Viele Bundesländer haben eigene Förderangebote — recherchiere beim Wirtschaftsministerium deines Bundeslandes.
Empfehlung: Kombiniere mehrere Quellen. Ein typisches Paket könnte so aussehen: 20% Eigenkapital + KfW-Gründerkredit + Gründungszuschuss der Arbeitsagentur (falls zutreffend).
9. Häufige Fehler beim Businessplan vermeiden
Diese Fehler kommen immer wieder vor — und führen entweder zur Ablehnung durch die Bank oder zu unrealistischen Erwartungen in der Gründungsphase.
Zu optimistische Umsatzprognosen
Der häufigste Fehler überhaupt. Wer im ersten Monat mit 80% Auslastung rechnet, hat die Anlaufphase unterschätzt. Banken kennen das und rechnen selbst gegen — wenn deine Zahlen nicht konservativ sind, verlierst du Glaubwürdigkeit. Zeig zwei Szenarien: einen Base Case und einen konservativen Fall.
Fehlender Liquiditätspuffer
Die Gründungskosten sind das eine. Aber was ist, wenn der Umsatz in den ersten Monaten hinter den Erwartungen zurückbleibt? Plane mindestens drei Monate laufende Kosten als Puffer ein — nicht als Teil des Betriebskredits, sondern als echte Reserve.
Keine konkreten Marketingmaßnahmen
„Wir nutzen Social Media und Mundpropaganda" ist keine Marketingstrategie. Nenne konkrete Maßnahmen, Budgets und Kanäle. Was machst du in den ersten vier Wochen, um die ersten 50 Kunden zu gewinnen?
Standortwahl ohne Marktanalyse
Ein guter Standort in einer gesättigten Straße kann schlechter sein als ein mittelmäßiger Standort ohne direkte Konkurrenz. Analysiere nicht nur die Miete, sondern auch die Wettbewerbssituation.
Rechtliche Anforderungen vergessen
Eintragung in die Handwerksrolle, TSE-konforme Kassenanlage, BGW-Anmeldung, Datenschutz (DSGVO) — das alles kostet Zeit und Geld. Wer es im Businessplan vergisst, wird von der Realität überrascht.
Den Plan schreiben und nie wieder anschauen
Ein Businessplan ist kein Dokument, das du einmal schreibst und dann in der Schublade vergisst. Prüfe alle drei Monate, ob deine tatsächlichen Zahlen mit den geplanten übereinstimmen. Wenn nicht: Was ist der Grund, und was änderst du?
10. Checkliste: Dein Businessplan auf einen Blick
Nutze diese Checkliste, bevor du deinen Businessplan bei einer Bank, der Arbeitsagentur oder einem Förderprogramm einreichst.
Executive Summary
- Konzept in drei Sätzen beschrieben
- Qualifikationen (Meisterbrief, Berufserfahrung) genannt
- Finanzielle Eckdaten (Investitionsbedarf, Jahresumsatz Jahr 1, Finanzierungsbedarf)
- Rechtsform und Eigentümerstruktur genannt
Marktanalyse
- Konkurrenzanalyse im näheren Umfeld durchgeführt
- Standort bewertet (Frequenz, ÖPNV, Parkplätze)
- Zielgruppe konkret beschrieben
- Positionierung klar definiert
Dienstleistungen & Preise
- Leistungsmenü für die Eröffnung festgelegt
- Preise kalkuliert (Mindestpreis + Marktvergleich)
- Durchschnittlicher Umsatz pro Kunde berechnet
Marketing
- Google Business Profile geplant
- Website mit Online-Buchung geplant
- Eröffnungsmaßnahmen konkret beschrieben (mit Budget)
- Kanäle und monatliches Marketingbudget festgelegt
Betrieb
- Personalplanung (Stellen, Modelle, Kosten)
- Meistertitel-Situation geklärt (eigener Titel oder Betriebsleiter)
- Öffnungszeiten definiert
- Software ausgewählt (Buchung, Kasse, Buchhaltung)
- IHK / Handwerksrolle / Gewerbeanmeldung geplant
Finanzplan
- Gründungskosten vollständig aufgelistet
- Monatliche Betriebskosten berechnet
- Umsatzprognose mit konservativem Szenario
- Break-even-Punkt berechnet
- Liquiditätspuffer (mindestens 3 Monate) eingeplant
Finanzierung
- Eigenkapitalanteil festgelegt
- KfW-Gründerkredit geprüft (ggf. Antrag vorbereitet)
- Gründungszuschuss geprüft (falls aus Arbeitslosigkeit)
- Meister-BAföG geprüft (falls Meistertitel vorhanden)
- Landesförderprogramme recherchiert
Rechtliches
- Rechtsform gewählt und begründet
- Eintragung Handwerksrolle geplant
- BGW-Anmeldung geplant
- TSE-konforme Kassenanlage eingeplant
- Versicherungen recherchiert (Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung)
Nächste Schritte
Ein vollständiger Businessplan ist die Grundlage — aber er ist der Startpunkt, nicht das Ziel. Wenn du bereit bist, deinen Friseursalon zu eröffnen, findest du in unserem Begleitartikel Friseursalon eröffnen: Kompletter Leitfaden für Deutschland alle nächsten Schritte — von der Handwerksrolleneintragung bis zur Eröffnungswoche.
Und wenn du dir überlegst, welches Buchungssystem für deinen neuen Salon am besten geeignet ist, findest du in unserem Artikel die besten Salon-Buchungssysteme im Vergleich eine ehrliche Übersicht — inklusive Kosten und Funktionen.
DoTheBeauty Team
Experten für Salon-Software
Unser Team besteht aus Saloninhabern, Beauty-Profis und Softwareentwicklern, die ihr Wissen teilen.